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Rumänien-Blog


Von Temeswar zur Temesch: Lugosch, Stadt der Musik

Der Fluss Temesch gab der Stadt Temeswar ihren Namen, durchquert sie aber nicht: Timișoara liegt an der Bega. Stattdessen fließt die Temesch durch Lugosch (rumänisch: Lugoj), nach Temeswar die zweitgrößte Stadt des Banat und Orașul Muzicii (Stadt der Musik). So kommen nicht wenige prominente Komponisten aus Lugoj und auch Bela Lugosi wurde dort geboren. Dracula machte ihn zum Star, durch Ed Wood jr. erlangte er Kultstatus.

Zur historischen Stadt Civitas Nostrae Reginae Lugos wurde Lugosch 1542, entstanden ist der Ort auf dem Gelände eines römischen Lagers. Wie andere Orte des Banat – und weitere Regionen des heutigen Rumänien – wechselte Lugosch im Lauf der Historie mehrfach die Staatszugehörigkeit. Infolge des Anschlusses Siebenbürgens an Rumänien, 1920 völkerrechtlich durch den Vertrag von Trianon besiegelt, gehörte Lugoj zum rumänischen Staat. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts war die Stadt zu einem der bedeutendsten Zentren der nationalen Befreiungsbewegung der Rumänen geworden. Seitdem hatte sie sich auf wirtschaftlicher und kultureller Ebene stark weiterentwickelt. 1852 wurde die erste Buchdruckerei eröffnet, ein Jahr später die erste Zeitung herausgebracht. Nach der Rumänischen Revolution 1989 ließen sich im Zuge der Marktöffnung international tätige Firmen nieder. Zunächst waren dies vor allem italienische, danach verstärkt deutsche Unternehmen. In kultureller Hinsicht zählt Lugosch schon immer zu den musikalischen Zentren des Banat, weshalb es Orașul Muzicii – Stadt der Musik – genannt wird. Noch zu deren Lebzeiten wurden Messen und andere kirchenmusikalische Werke Mozarts, Haydns und Schuberts in Lugoj aufgeführt. Auch die älteste Banater Klavierschule stammt aus Lugosch. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in der Stadt bereits sieben Chöre, darunter vier Kirchenchöre, der städtische Chor Ion Vidu besteht seit 1810. Die bekanntesten aus Lugosch stammenden Musiker sind der Tenor Traian Grozăvescu sowie die beiden Komponisten Tiberiu Brediceanu und Walter Michael Klepper. Ein überaus prominenter Sohn der Stadt ist zudem der 1882 dort geborene Béla Blaskó, besser bekannt als Bela Lugosi. Blaskó alias Lugosi war Kind einer ungarischen Famile, zum Zeitpunkt seiner Geburt gehörte Lugosch zu Österreich-Ungarn. Weltberühmt machte Lugosi seine legendäre Rolle des Grafen Dracula in Tod Brownings gleichnamigem Film von 1931. Nachdem seine Karriere im Horrorgenre verblasst war, spielte er zunehmend in B-Movies, später in Trash-Filmen von Ed Wood jr., weshalb er heute bei Fans der Filmgattung Kultstatus genießt.

Aktuell hat Lugosch acht Partnerstädte in Europa, darunter auch Jena. Schon seit 1983 ist man partnerschaftlich verbunden. „In den Staaten des Warschauer Paktes hat man damals versucht, die Verbindungen zu den Bruderländern zu festigen, indem jede größere Stadt mit einer anderen des Ostblockes verbunden worden ist. Die SED hat zunächst die Bezirke benannt, dann die Städte ausgewählt”, erzählt der Bürgermeister Jenas in einem Interview. „Damals ist Temeswar mit Gera verbunden worden, im Bezirk Temeswar liegt Lugoj, im Bezirk Gera Jena”. Nach der Wende 1989 hat man die guten Beziehungen weitergeführt. So haben beispielsweise im Sommer 2016 erneut Schüler aus Lugoj Ferien in Jena verbracht.

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