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Rumänien-Blog


Vom Dorf zur großen Brücke: Fetești

Nach dem Besuch der historischen Altstadt Brăilas, der Industriebrachen und Plattenbauten Călărașis und der Southfork Ranch Slobozias erreichen wir Fetești, das im Südosten des Bărăgan (rumänisch: Bărăganul Ialomiței) nah an der Grenze zur Region Dobrudscha (rumänisch: Dobrogea) liegt und erfahren, was es mit dem Dorf mit den Mädels auf sich hat.

Heute hat Fetești den Rang eines Munizipiums. Dieser Status wird in Rumänien per Gesetz an Städte verliehen, die hinsichtlich Infrastruktur bestimmten Anforderungen genügen. Die Angaben, wann die Stadt zur Stadt wurde, differieren um über 30 Jahre: 1934 und 1965 werden hier genannt. Sicher scheint, dass der Ort erstmals 1528 von einem Fürsten mit dem klangvollen Namen Radu de la Afumați urkundlich als Marktgemeinde erwähnt wurde. Noch früher war Fetești ein rumänisches Hörigendorf, dessen Bewohner hauptsächlich von einem Grundherren abhängige Bauern waren und diese Abhängigkeit an ihre Kinder vererbten. Sie waren unfrei und an Land gebunden, das ihnen nicht (mehr) gehörte und mit welchem sie eine unauflösbare Einheit bildeten. So wurden sie als zu diesem Land gehörend, als Hörige, bezeichnet. Natürlich war dies kein rein rumänisches Phänomen. In Deutschland beispielsweise wurde die Hörigkeit 1848 im Zuge der Bauernbefreiung aufgehoben. Zu dörflichen Zeiten entstand angeblich der Name des Ortes, abgeleitet von satul cu fete, übersetzt: das Dorf mit den Mädels. Die Schäfer des Bărăgan seien dorthin gekommen, um ihre zukünftige Frau zu finden, heißt es. Fetești liegt am linken Ufer des Brațul Borcea, einem Nebenarm der Donau (rumänisch: Dunărea). Letztere passiert auf 1075 km Rumänien, was über einem Drittel ihrer Gesamtlänge entspricht und den längsten Abschnitt aller Anrainerstaaten darstellt. Im Bereich der Regionen Bărăgan und Dobrudscha bewegt sie sich nach einem Kurswechsel bereits nordwärts als rumänischer Binnenfluss in Richtung ihres Deltas. Eine beeindruckende Sehenswürdigkeit der Stadt ist ein Abschnitt der Anghel-Saligny-Brücke (offiziell: Podul Ing. A. Saligni), die vom gleichnamigen Architekten geplant und, da im November 1890 von König Carl I. eingeweiht, ursprünglich nach dessen Namen als Podul Regele Carol benannt war. Damals gehörte sie zu den größten Brücken Europas. Schon unter dem Osmanischen Reich gab es Bahnverbindungen von Constanța nach Cernavodă und von Bukarest nach Fetești, aber keine Brücke über die Donau. Das gesamt 4088 m lange, zweiteilige Bauwerk schloss die Lücke zwischen Feteștiund Cernavodă, das ebenso am Donauufer und bereits in der Dobrogea liegt. Zwischen beiden Städten befindet sich eine etwa 13 km breite Donauinsel. Die historische und heute nicht mehr genutzte Brücke ist eingleisig. Sehenswert und imposant sind ihre Einfahrtsportale sowie das Viadukt über einen Teil der Donauinsel in beiden Städten. Der Oberbau besteht aus stählernen Fachwerkträgern und war einer der ersten aus Siemens-Martin-Stahl hergestellten. Das östliche Brückenportal in Cernavodă wird zudem von zwei überlebensgroßen Bronzestatuen eines Dorobanț (Infanteriesoldat) flankiert, die vom französischen Bildhauer Léon Piletgeschaffen dem rumänischen Volk von der französischen Botschaft in Bukarest geschenkt wurden. Französische und belgische Unternehmen waren am Bau der Brücke beteiligt. Cernavodă ist wiederum Fundort eines der berühmtesten Kunstwerke der europäischen Frühgeschichte, nachzulesen im Blog Beitrag vom April 2019.

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