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Rumänien-Blog


No Swinging Sixties: das Banat ab den 1960er Jahren

Von den Swinging Sixties, die ab Mitte der 1960er Jahre in einigen westeuropäischen Staaten den Zeitgeist mitbestimmten, war das Banat nicht nur geografisch weit entfernt. In Rumänien bewegten sich die Verhältnisse massiv in die entgegengesetzte Richtung. Zwar sah es unter dem neuen Staatsoberhaupt Nicolae Ceaușescu für Minoritäten wie die Banater Schwaben zunächst ganz gut aus, doch schlug die scheinbar lockere Minderheitenpolitik schon bald ins Gegenteil um und Rumänien entwickelte sich straight zur Diktatur.

Als Nicolae Ceaușescu 1965 erst zum Chef der Rumänischen Kommunistischen Partei, danach sukzessive, aber zügig zum Staatsratsvorsitzenden und damit zum Staatsoberhaupt sowie zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte wurde, war jegliche Ämtertrennung faktisch aufgehoben: Der Mann hatte die Macht im Land und erlangte ebenso zügig große Popularität. Die mit einer Loslösung von der Sowjetunion gekoppelte Öffnung in Richtung Westen schien mit einer Lockerung der Minderheiten- und Kulturpolitik einherzugehen. Gerade die junge Generation der Banater Schwaben entwickelte ein neues Selbstbewusstsein und eine kulturelle Dynamik. Ab 1968 erlaubte Ceaușescu einen Verband der Deutschen, welcher jedoch vom Regime gelenkt wurde und vollständig in das Institutionensystem der „sozialistischen Massenorganisationen“ integriert war. Die Rumänische Kommunistische Partei (rumänisch: Partidul Comunist Român) machte sparsame kulturelle Zugeständnisse, die aber nur von begrenzter Dauer waren und bald wieder eingeschränkt bzw. aufgehoben wurden. Das betraf beispielsweise den Schul- und Pressebereich. Nachdem es also Mitte der 1970er Jahre schon wieder vorbei war mit den vermeintlichen Freiheiten, entwickelte sich der Staatschef bis zum Ende des Jahrzehnts in hoher Geschwindigkeit zum Nationalisten und scharfen Gegner ethnischer Minderheiten bzw. entpuppte sich als solcher.
Zeitgleich nutzte Ceaușescu die deutsche Minderheit gewinnbringend, indem er den sogenannten Freikauf von Rumäniendeutschen etablierte, und dies zudem auf zweifache Art und Weise. Ab 1967 bezahlte die deutsche Bundesregierung ein entsprechendes Kopfgeld pro ausreisewillige Person an den rumänischen Staat. „Geheimsache Kanal“ hieß das Projekt auf westdeutscher Seite, Aktion „Rückgewinnung“ (rumänisch Acţiunea „Recuperarea“) nannte man das lukrative Business auf rumänischer Seite. Fast eine viertel Million Menschen konnten bis 1989 auf diesem Weg aus Rumänien nach Westdeutschland übersiedeln. Doch man machte gerne doppelt Kasse: Trotz aus Deutschland überwiesenem Kopfgeld, mussten viele Ausreisewillige für die begehrten Ausreisepapiere ein zusätzliches Devisen-Schmiergeld an die lokalen Behörden entrichten. Dies betraf auch die Banater Schwaben. Pikanterweise war jedoch der Besitz von Devisen von Staats wegen verboten. Dass dieses illegale Format dennoch gang und gäbe war, gilt als Indiz, dass das Vorgehen von höchster Stelle in Staat und Politik gedeckt war. Wer also nicht zahlen konnte oder wollte, durfte schlicht nicht gehen oder wartete viele Jahre, was übrigens auch jenen passieren konnte, die bezahlt hatten. Ab Beginn der 1970er Jahre formierte sich im Banat jedoch Widerstand gegen das Regime.

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