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Rumänien-Blog


Klöster, Natur und ein Aquarium: im Kreis Tulcea

Tulcea, die Hauptstadt des gleichnamigen Kreises Județ Tulcea im Norden der Dobrudscha, liegt zwar nicht direkt am Schwarzen Meer (rumänisch: Marea Neagră), ist aber seit dem Altertum eine bedeutende Hafenstadt. Auf sieben Hügeln befindet sie sich genau dort am Ufer der Donau, wo diese auf ihrem Weg zum Meer scharf nach Osten abbiegt und gilt als Tor zum Weltnaturerbe Donaudelta.

Herodot von Halikarnassos wiederum gilt als Vater der Geschichtsschreibung. Der weit gereiste Völkerkundler und Geograf erwähnte Tulcea im 3. Jahrhundert v. Chr. erstmals. Damals hieß die Siedlung noch Castrum Aegyssus, gegründet wurde sie bereits fünf Jahrhunderte zuvor. Im weiteren Verlauf ihrer Historie erlebte die Stadt zahlreiche Wechsel der Herrschaftsverhältnisse: Rom, Byzanz, Bulgarien, Genua sowie diverse lokale Königreiche regierten. Auch das Osmanische Reich war dabei und verlieh dem Ort im 15. Jahrhundert den Namen Tolçu, was dem heutigen Tulcea ziemlich nahekommt. Durch ihre Lage am Donauufer war die Stadt bereits in der Antike als Hafenstadt von Bedeutung. Sie fungierte als Basis der römischen Nordost-Flotte, die mit ihrer Uferlegion Legio ripariensis an der Donau die Grenze zum Barbaricum bewachte, was mehr oder weniger alles jenseits des Limes meinte. Noch heute ist Tulcea eine wichtige Hafen- und Industriestadt mit Werften und Textilindustrie. In den 1990er Jahren kam der Torismus als neuer Wirtschaftsfaktor hinzu. Letzterer basiert vor allem auf der Nähe zum Donaudelta, welches seit 1993 auch als UNESCO Weltnaturerbe unter Naturschutz steht. In der Stadt gibt es hierzu ein Museum (Centrul Muzeal Eco-Turistic Delta Dunării), in dessen Untergeschoss sich zudem im größten Aquarium Osteuropas spazieren lässt. Selbstredend sind in diesem jede Menge Donaufische zu sehen. In Stadtnähe – etwa 25 km westlich – befinden sich zwei Klosteranlagen: das Kloster Celic-Dere und das Kloster Saon. Ersteres gilt als bedeutsames spirituelles Zentrum, sein Name bezieht sich auf den gleichnamigen Fluss am Fuß des Hügels, auf dem es erbaut wurde. Wer nun mit wem das Kloster gegründet hat, ist nicht eindeutig geklärt. So könnten es der Bischof Athanasius Lisifenco und der Mönch Pais oder rumänische und russische Mönche vom Berg Athos gewesen sein. Auch der Gründungszeitpunkt variiert den unterschiedlichen Geschichten entsprechend. Sicher ist, dass die Anlage zu Beginn des 21. Jahrhunderts von einem Mönchs- zu einem Nonnenkloster wurde. Inmitten von Hügeln mit Weinbergen, und etwas näher an Tulcea, liegt das Kloster Saon. Aufgebaut wurde es von Mönchen aus dem benachbarten Kloster Celic-Dere. Die heutige Klosterkirche mit drei Kuppeln im byzantinischen Stil entstand zwischen 1916 und 1945. Der Erste Weltkrieg und ein Erdbeben begründeten die lange Bauzeit. Während der Zeit der Sozialistischen Republik in Rumänien wurden die Mönche an der Ausübung ihrer Religion massiv behindert. Erst 1990 etablierte sich die Unabhängigkeit des Klosters neu. Zeitgleich verursachte ein erneutes Erdbeben massive Schäden, was viele Jahre Wiederaufbau und Restaurierung zur Folge hatte. Im Norden des Județ Tulcea erstreckt sich der Nationalpark Măcin-Gebirge (rumänisch: Parcul Național Munții Măcinului). Das 400 Meter hohe Măcin-Gebirge ist das älteste Gebirge Europas. Im Naturschutzgebiet wachsen zahlreiche Pflanzenarten, darunter streng geschützte, und leben seltene Tiere, zahlreiche Vogelarten und über 900 Schmetterlingsarten.

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