Jenica Schneider | Juvenellstr. 15 | 90419 Nürnberg | Sie erreichen mich unter: +49 (0)911-247 66 30 (09 bis 17 Uhr)

Rumänien-Blog


Im Land der Buchen: Reise durch die Bukowina

Nach acht Monaten im Land aus Holz bleiben wir im Norden und reisen Richtung Osten ins Land der Buchen, die Bukowina. Bäume, und vor allem viele davon, spielen in Rumänien eine große Rolle, was sich in den Benennungen der Regionen widerspiegelt. Im Südwesten grenzt das Buchenland sowohl an die Karpaten als auch an Siebenbürgen, welches als Transsilvanien (oder rumänisch: Transilvania) seine Lage jenseits des Waldes im Namen trägt.

Die Bukowina (rumänisch: Bucovina) ist eine historische Landschaft im Grenzraum zwischen Mittel-, Südost- und Osteuropa im Norden Rumäniens. Letzteres wiederum liegt topografisch betrachtet nicht im Norden, doch auch nicht wirklich im Süden Europas, sondern schon eher im Osten. Ein Land zwischen topografischen Zonen. Neben der Maramuresch im Westen und Siebenbürgen im Südwesten grenzt die Bukowina im Osten an Moldawien und im Süden an die Region Moldau. Wie die zuvor bereiste Maramuresch liegt auch sie nur teilweise in România. Der nördliche Teil der Region gehört zur Ukraine und wird dort als Bukowyna (oder kyrillisch: Буковина) bezeichnet. Die Runde durch die verschiedenen Bezeichnungen in unterschiedlichen Sprachräumen weist darauf hin, dass die Bucovina, analog zu zahlreichen anderen rumänische Gebieten, wechselvolle territoriale Zugehörigkeiten durchlief. Jahrhundertelang war sie ein Teil des historischen Fürstentums Moldau. Der Begriff Bukowina stammt aus den slawischen Sprachen und bezeichnet ein mit Buchen bewaldetes Gebiet. Buk steht im Altslawischen für Rotbuche. Im Lauf des Mittelalters wurde dies dann in die rumänische Sprache übernommen: Mehrere buchenreiche Gegenden im Fürstentum Moldau wurden als bucovină benannt.

Hauptstadt des heutigen rumänischen Teils der Bukowina ist Suceava (deutsch: Suczawa oder Sotschen), mit etwas über 90.000 Einwohnern deutlich die größte Stadt im gleichnamigen Kreis und Standort eines von acht Klöstern mit Kirche, die als Moldauklöster zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen. Auch hier eine Analogie zur Maramuresch mit ihren acht Holzkirchen, welche ebenso zum Weltkulturerbe gehören. Historische und traditionelle Hauptstadt der gesamten Region Bukowina ist jedoch Czernowitz oder Tschernowitz. Heute in der Ukraine gelegen hat die Stadt jede Menge Namen in den verschiedensten Sprachen: von ukrainisch Чернівці Tscherniwzi und russisch Черновцы Tschernowzy über rumänisch Cernăuți, polnisch Czerniowce bis zu jiddisch טשערנאָװיץ Tschernowitz und hebräisch צֶ׳רנוֹבִיץ). Wie gesagt weisen die vielen Namen und Bezeichnungen auf eine Vielfalt an historischen Zugehörigkeiten hin, und zugleich auf ein gegenwärtiges Phänomen: Die Bevölkerung der Bukowina ist traditionell stark multikulturell geprägt und ist das heute noch. Danach wurde sogar ein rechtswissenschaftlicher Begriff geprägt. So benutzt der deutsche Rechtswissenschaftler Gunther Teubner den Begriff Bukowina als eine Metapher zur Beschreibung pluralistischer Entwicklungen im internationalen Recht, wie sie sich im Zuge der Globalisierung seit den 1990er Jahren zeigen. Teubner spricht von einer „globalen Bukowina“, in der es laut des 1862 dort geborenen Rechtssoziologen Eugen Ehrlich nicht die Politik, sondern die Zivilgesellschaft sei, die sich ihr "lebendes Recht" schafft.

Zurück