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Rumänien-Blog


Haus aus Holz, auch für Gott: Holzkirchen der Maramureș

In der Maramuresch bauen die Menschen nicht nur ihre eigenen Häuser aus Holz, sondern auch die Gotteshäuser. Zwar gibt es andernorts ebenso hölzerne Manifestationen sakraler Architektur, doch in der historischen Region im Nordwesten Rumäniens sind sie in besonders hoher Zahl und Dichte zu finden. Einige von ihnen wurden 1999 von der UNESCO auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Jedoch handelt es sich nicht ausschließlich um ein historisches Phänomen, auch heute baut man Gott in den noch kirchenlosen Dörfern ein Haus aus Holz.

Kirchen wurden und werden hauptsächlich aus Stein gebaut. Geht man sehr weit in der Geschichte zurück, wurden auch in Deutschland Holzkirchen errichtet, doch schon ab dem hohen Mittelalter wurde das Baumaterial nicht mehr verwendet. Gründe dafür waren zum einen die Brandgefahr, zum anderen wurde Holz nicht als ein sakraler Baustoff anerkannt. Hierzulande ist keine der frühmittelalterlichen Holzkirchen erhalten, meist wurden sie durch Steinbauten ersetzt. Anders sieht es in Skandinavien aus. In Norwegen waren zwischen 1600 und 1800 noch 97 % der Kirchenneubauten aus Holz. Bemerkenswerterweise begann man dort bereits im 17. Jahrhundert mit der Holzkirchenforschung. Heute sind in Norwegen etwa 30 der ehemals um die 1000 Kirchen erhalten. Konstruiert wurden die Stab- oder Mastenkirchen in Stabbauweise, deren grundlegendes Prinzip die Vertikalität des Gebäudes ist: Die Holzteile stehen senkrecht statt waagrecht, die gesamte Dachkonstruktion ruht auf ihnen. Ein hohes Baumaterialvorkommen sowie die Bautraditionen eines Landes oder einer Region sind normalerweise prägende Faktoren für die Architektur. In Island wiederum gibt es Steine, jedoch kein Holz. Dennoch baute man dort Kirchen ausschließlich aus Holz, obwohl dieses mit Schiffen erst herbeigeschafft werden musste.

In der Maramureș ist Holz als Baumaterial mehr als reichlich vorhanden und hat als Baustoff Tradition. Vor allem in den Dörfern wird dort kaum etwas gebaut, was nicht aus Holz ist. Ein Sprichwort besagt, hier würden Sägespäne statt Blut in den Adern der Menschen fließen, andere Sprichwörter zum Thema Holz bewegen sich im anzüglichen Bereich. Bezüglich der Kirchen gab es jedoch noch einen anderen Grund, weshalb man hier zum Holz greifen musste: Im 13. Jahrhundert war es den orthodoxen Rumänen per königlicher Gesetze verboten, ihre Kirchen aus Stein zu bauen. Basis hierfür waren päpstliche Urkunden, da der orthodoxe Kult in Siebenbürgen und Umgebung nicht gefiel. Heute sind etwa 45 der historischen Holzkirchen der Region erhalten, in der Ukraine befinden sich etwa 15 weitere Kirchen. Erbaut wurden sie über unterschiedliche Epochen hinweg, was an den jeweils zeitgemäßen Stilelementen en détail ablesbar ist. Gemeinsam repräsentieren sie jedoch die für Nordrumänien sehr spezifische Tradition der Sakralarchitektur. Als Baumaterial Verwendung fanden Hölzer von Buchen, Eichen, Ulmen und Tannen aus den umliegenden dichten Wäldern der Karpaten. Gemeinsam ist den Kirchen die schlanke Bauweise, ihre schmalen Türme ragen wie spitze Pfeile in die Höhe. 1999 wurden acht von ihnen von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

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