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Rumänien-Blog


Göttliche Brücke, teuflische Höhle und ein Paradiesgarten

Reist man von Târgu Jiu (deutsch: Turgukukuli) etwa 50 km ostwärts, erreicht man die kleine Gemeinde Bumbești-Pițic, die sich aus drei Dörfern zusammensetzt. Eines davon ist Poienari, in dessen unmittelbarer Nähe ein ganz besonderer Wald zu finden ist: der Grădina Paradisului (deutsch: Paradiesgarten), ein Projekt des rumänischen Künstlers Mihai Topescu.

Die großflächige Abholzung von Wäldern ist nicht nur in Oltenien (rumänisch: Oltenia) ein Problem, sondern in allen bewaldeten Regionen Rumäniens. Der Blogbeitrag vom Dezember 2017 befasste sich unter dem Titel IKEA und andere: in den letzten Urwäldern Europas bereits mit der Thematik des profitbetonten Raubbaus in der Region Maramuresch (rumänisch: Maramureș). Als eines der ärmsten Länder der EU ist Rumänien massiv betroffen von illegalen Rodungen, Korruption und Kahlschlag. Zwei Drittel der letzten etwa 3000 Quadratkilometer des europäischen Urwalds liegen in dem Land, dessen stärkste – und mehr oder weniger einzige – Ressource das Holz ist. Laut Greenpeace verschwinden aktuell stündlich etwa 3 Hektar Wald aus den Karpaten. Auch die Kleine Walachei (rumänisch: Oltenia) ist betroffen. Mihai Topescus künstlerischer Werkstoff ist eigentlich Glas, für sein Projekt Paradiesgarten wurden jedoch die Bäume selbst zum bildnerischen Material. Der Grădina Paradisului ist ein Areal im Wald Dumbrava bei Poienari. Mit Unterstützung vieler freiwilliger Helfer und Sponsoren wurden die Stämme von etwa 600 Bäumen mit ökologisch verträglicher Farbe bunt bemalt. Mit seinem paradiesischen Wald möchte der Künstler auf die Problematik der Abholzung aufmerksam machen. Im Kreis Gorj, dem Standort des Waldes, wurden bereits riesige Waldflächen komplett abgeholzt, ein großer Teil davon illegal. Mittels Google Street View ist ein virtueller Besuch des bunten Paradiesgartens möglich. Westlich des Kreises Gorj liegt der Kreis Mehedinţi, wo es zwar keinen Paradiesgarten gibt, dafür aber eine Gottesbrücke, die wiederum ganz ohne menschliche Ambitionen entstanden ist. Die Podul lui Dumnezeu befindet sich in der Gemeinde Ponoare und ist ein etwa 30 Meter langes Naturmonument in Form einer Felsenbrücke, über die zudem eine asphaltierte Straße führt. Neben der Brücke Gottes gibt es in der Nähe noch die Peştera Podului, eine Höhle, die laut Legende einst vom Teufel bewohnt worden sein soll. Die Dorfbewohner in dessen Nachbarschaft waren davon wenig begeistert und beteten so legendär lange zu Gott, bis dieser das Höhlendach mittels Handschlag zum Einsturz brachte. Der Teufel entkam jedoch und zog auf eine Klippe namens Teufelsfelsen, die aber so weit von seinen ehemaligen Nachbarn entfernt lag, dass diese nun keine Angst mehr vor ihm haben mussten. Im Kreis Mehedinţi liegt auch die Stadt Drobeta Turnu Severin (deutsch: Turn-Severin), direkt an der Donau und der Grenze zu Serbien. Den Namenszusatz Drobeta erhielt sie 1972 zur Erinnerung an die frühere römische Stadt gleichen Namens an gleicher Stelle. Sichtbares Relikt aus dieser Zeit sind die Reste der Pfeiler der Trajansbrücke, die 105 nach Christus unter Kaiser Trajan als erste dauerhafte Brücke über die untere Donau errichtet wurde. Damals war diese mit 1,1 km Länge die längste Brücke der Welt. Obwohl sie 165 Jahre später zerstört wurde, hielt sie diesen Rekord noch über ein Jahrtausend lang. Heute sind die Reste der Brückenpfeiler durch umlaufende Betonwände vor der Donau geschützt. Der Nachbau eines Brückenbogens ist inmitten eines Kreisverkehrs in der Stadt zu bewundern.

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