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Rumänien-Blog


Das Eiserne Tor und ein König im Fels: am Porțile de Fier

Die Stadt Drobeta Turnu Severin (deutsch: Turn-Severin) liegt im Westen Olteniens im Kreis Mehedinţi direkt an der Donau. Letztere bildet hier die Grenze zu Serbien. Von der Trajansbrücke aus römischer Zeit sind heute nur noch Relikte zu sehen. Wenige Kilometer entfernt befindet sich mit dem Eisernen Tor (rumänisch: Porțile de Fier) einer der eindrucksvollsten Taldurchbrüche Europas.

Entschärft wurde das Eiserne Tor erst 1972 mit dem Bau des gleichnamigen Kraftwerks Nummer 1. Bis dahin war es der für die Schifffahrt gefährlichste Abschnitt der Donau, welcher nur mithilfe ortskundiger Lotsen passiert werden konnte. Über Jahrzehnte wurden die Schiffe stromaufwärts getreidelt. Treideln bezeichnet das Ziehen von Schiffen auf Wasserwegen durch Menschen, Tiere oder Zugmaschinen wie Treidellokomotiven. Letztere kamen dort lange zum Einsatz. Trotz Stausee ist der heutige Durchbruch nicht viel breiter als das natürliche Flussbett, das sich in diesem Bereich auf etwa 200 m verengt. Vor Inbetriebnahme des ersten Kraftwerks, mittlerweile gibt es zwei, versanken durch den Rückstau des Flusses etliche Dörfer sowie die Insel Ada Kaleh (deutsch: Inselfestung). Deren territoriale Zugehörigkeit wechselte im Lauf der Historie zwischen Österreich und dem Osmanischen Reich hin und her, ihre besondere Lage verlieh ihr eine ebenso besondere strategische Bedeutung. 1923, die Habsburgermonarchie war zerfallen, entschieden sich die überwiegend türkischen Inselbewohner für die Zugehörigkeit zu Rumänien. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Ada Kaleh zum romantischen Ausflugsziel, was später die rumänischen Behörden veranlasste, massive Restriktionen einzuführen. Man hatte Sorge, Menschen könnten von dort aus ins damalige Jugoslawien fliehen. Vor ihrer Überflutung im Jahr 1971 wurde die Insel mittels Sprengungen und Abholzung vollständig eingeebnet. Ihre Bewohner waren zuvor hauptsächlich in die Region Dobrudscha (rumänisch: Dobrogea) oder in die Türkei ausgewandert. Sowohl auf der serbischen als auch auf der rumänischen Seite der Donau wurden mittlerweile Naturschutzgebiete eingerichtet. In Serbien ist dies der Nationalpark Đerdap (serbisch: Nacionalni Park Đerdap), in Rumänien der Naturpark Eisernes Tor (rumänisch: Parcul Natural Porțile de Fier). Letzterer wurde 2000 als Naturschutzgebiet gegründet, 2007 von der Weltnaturschutzorganisation IUCN (International Union for Conservation of Nature) anerkannt und 2011 in die Liste der Schutzgebiete von internationaler Bedeutung der Ramsar-Konvention aufgenommen. Das gesamte Areal des Naturparks ist in 18 Schutzgebiete unterteilt. Fundorte aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit sind ebenso erhalten wie Relikte des römischen Imperiums. Aus dem Mittelalter sind Festungen und Klöster oder deren Ruinen zu sehen. Hinzu kommen Höhlen, wie die Gaura Chindiei (rumänisch: Peștera Gaura Chindiei), die unter Denkmalschutz steht, da dort Spuren dakischen Lebens sowie Kunstgegenstände aus der Steinzeit gefunden wurden. Zu den touristischen Attraktionen zählt zudem ein skurril anmutendes Porträt des Dakerkönigs Decebalus: eine monumentale Felsenskulptur direkt am Ufer der Donau. Diese stammt jedoch nicht aus des Königs Zeit, sondern wurde 2004 fertiggestellt – von 12 Bildhauern in 10 Jahren. Initiator und Finanzier des Projekts war der rumänische Geschäftsmann Iosif Constantin Drăgan. DECEBALUS REX – DRAGAN FECIT liest der staunende Tourist in großen Lettern unterhalb des königlichen Konterfeis: König Decebal – erbaut von Drăgan.

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