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Rumänien-Blog


Berühmtes und Berüchtigtes: Moreni und Târgoviște

Im Norden Munteniens, im Süden der Südkarpaten (rumänisch: Carpații Meridionali) liegt Târgoviște (deutsch: Tergowiste, Tergowisch), die ehemalige Hauptstadt der Walachei. Auf der Liste ihrer zehn Partnerstädte sind auch Miami und New York zu finden. Mit Beginn der Neuzeit war die Stadt wiederholt Schauplatz historisch relevanter Ereignisse.

Erstmals erwähnt wurde Târgoviște 1396 von einem bayerischen Kreuzzügler namens Johannes Schiltberger, der 1380 geboren wurde und schon als 15-jähriger Knappe in den Krieg gegen die Osmanen zog. Erst 1427 kehrte er nach Bayern zurück, einen Reisebericht in 67 Kapiteln im Gepäck. Letzterer enthält umfangreiche Beschreibungen aller Länder und Städte, die er bereist hatte, weshalb er stellenweise als deutscher Marco Polo bezeichnet wird. Im Jahr 1456 wurde in Târgoviște ein Woiwode inthronisiert, der bereits im Blog vom März 2015 vorgestellt wurde: der so berühmte wie berüchtigte Vlad III. Drăculea. Der Sohn des Drachen inspirierte etliche Jahrhunderte später den irischen Schriftsteller Bram Stoker zu seiner weltbekannten literarischen Figur. Der reale Vorgänger verbrachte einen Großteil seiner Regierungszeit als Fürst der Walachei am Hof von Târgoviște. Architektonisches Relikt seiner Umbauten des Palastes ist der Chindia-Turm, der heute noch vor Ort zu sehen ist. Im Lauf des 19. Jahrhunderts schwand die Bedeutung der Stadt als politisches und soziales Zentrum des Landes. Am 25. Dezember 1989 wurde sie noch einmal Schauplatz eines historischen Ereignisses: Der gestürzte Diktator Nicolae Ceaușescu und seine Ehefrau wurden dort hingerichtet. Drei Tage zuvor waren sie per Hubschrauber in der etwa 35 km entfernten Kleinstadt Titu gelandet, um weiter mit dem Auto zu flüchten. Wie Târgoviște und Titu liegt auch Moreni im Kreis Dâmbovița. In der Stadt, die erst 2003 dazu erklärt wurde und die zuvor häufig ihren Namen gewechselt hatte Moarile, Moara Rateșului, Moara Nouă und Moara Sasului – fand man bereits 1691 Erdöl. Es war der erste Fundort in Rumänien und erst der dritte weltweit. Im 20. Jahrhundert wurden die Ölvorkommen mittels Bohrungen erschlossen. Zu den Pionieren gehörten der deutsche Konstrukteur Anton Raky und der Industrielle Guido Henckel von Donnersmarck, die sich 1904 Anteile an der rumänischen Erdölindustrie sicherten. Im Mai 1929 geriet ein Bohrturm in Flammen, nachdem man in eine Probebohrung bis in 1500 Meter Tiefe vorgenommen hatte. Aufgrund des täglichen Entweichens von etwa 7.000.000 Kubikmeter Gas, welches das Feuer speiste, währte der Brand ganze zwei Jahre lang und schuf einen 75 Meter breiten und 20 Meter tiefen Krater. Das langanhaltende Feuer wurde auch zum politischen Zündstoff. Nach zweieinhalb Jahren erlosch die Flamme nach Einbruch eines Kraters angeblich von selbst. Es gibt jedoch Quellen, die das Ersticken des Feuers auf die Zementmischung des amerikanischen Spezialisten Myron M. Kinley aus Oklahoma zurückführen. Als Sonde von Moreni wurde nicht nur das betroffene Bohrloch berühmt, sondern auch dessen zweieinhalbjähriger Brand. Bilder der Katastrophe  fanden selbst als Postkartenmotive weitreichende Verbreitung. Das Ereignis respektive dessen Dauer beeindruckte Künstler und Literaten. 1957 erschien Die ewige Flamme von Moreni des Autors Dieter Mendelsohn als Ausgabe der populären Heft-Reihe Das neue Abenteuer für Jugendliche in der DDR. Das Heft kostete konstante 25 Pfennige und erschien in einer Auflage von 265.000.

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