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Rumänien-Blog


Balkan Pop: Beats aus Bukowina und Moldau

„Tanz den Bukowiner!“ oder „Surfen auf der Balkanwelle“ titelten vor über einem Jahrzehnt die Feuilletons und berichteten darunter über die Neuerscheinung Balkan Pop und dessen „Erfinder“ Shantel. Das frisch geschaffene Genre, eine Fusion aus traditioneller osteuropäischer Volksmusik und westlicher elektronischer Tanzmusik, entwickelte sich von Deutschland aus rasant zum erfolgreichen Phänomen. 2003 wurde die erste Compilation Bucovina Club veröffentlicht, zwei Jahre später folgten Volume 2 und die Gründung des Bukovina Club Orkestar.

Besagter Balkan Pop – auch als Bukowina Dub, R'n'Balkan oder Gypsy Grooves benannt und nicht zu verwechseln mit der Popmusik der Balkan(halbinsel) – ist trotz des Namens auf dem Balkan selbst nicht verbreitet. Begonnen hat seine Geschichte mit der mittlerweile als legendär beschriebenen Reise Stefan Hantels in die nördliche Bukowina. Der Musiker, Produzent und DJ mit Künstlernamen Shantel reiste 2001 nach Czernowitz, in die Heimatstadt seiner Großeltern. Seit der endgültigen Teilung der Region nach dem Zweiten Weltkrieg gehört die historische Hauptstadt der Bukowina zur Ukraine, sie war jedoch über lange Zeit das traditionelle Zentrum des gesamten Buchenlandes. Die Tour auf den Spuren seiner Vorfahren inspirierte Hantel dazu, eine wilde Mischung aus den verschiedenen Musikstilen anzusetzen, die als Compilation plus Partyreihe Bucovina Club zunächst im Frankfurter Schauspielhaus die Tanzfläche zum Kochen brachte. Traditionalisten, die ihm Verfälschung der ursprünglichen Volksmusik vorwarfen, hielt er entgegen, dass diese selbst ein Hybrid aus multikulturellen Einflüssen sei. In der Tat ist gerade die Bevölkerung der Bukowina traditionell stark multikulturell geprägt, was in ihren unterschiedlichen territorialen Zugehörigkeiten im Verlauf ihrer Geschichte begründet liegt. So beschränkt sich auch Shantels Balkan Pop nicht nur auf „Tanz den Bukowiner!“. Ausgehend von seiner familiären Ost-West-Schnittstelle Bucovina brachte er ebenso Musik und Musiker aus Serbien, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Frankreich, Kanada, Österreich, Russland, England, Israel, der Türkei und Deutschland zu innovativen Fusionen zusammen. Inzwischen ist das Genre lange etabliert, und Shantel damit – sowohl als DJ als auch mit seiner Band Bukovina Club Orkestar – nach wie vor unterwegs. Weltweit und energiegeladen.

Als traditionell multikultureller Schmelztiegel war die Bukowina so jüngst Initialort eines musikalischen Genres des 21. Jahrhunderts, das die Musik verschiedener Kulturen kongenial verschmolz. Heute erstreckt sich die historische Region über die Ukraine und Rumänien. Lange zuvor war sie jahrhundertelang ein Teil des historischen Fürstentums Moldau. Die rumänische Region Moldau (rumänisch: Moldova) wiederum war damals ebenso Teil des gleichnamigen Fürstentums – und grenzt heute im Norden an die Bucovina und im Osten an die gleichnamige Republik. Um Verwechslungen mit letzterer zu vermeiden, wird sie auch als Westmoldau bezeichnet. Die Republik Moldau (offiziell rumänisch: Republica Moldova), allgemeinsprachlich Moldawien, hingegen liegt auf dem Gebiet der historischen Landschaft Bessarabien, welche in der so genannten Zwischenkriegszeit zwischen Erstem und Zweiten Weltkrieg eine östliche Provinz Rumäniens war.

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