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Rumänien-Blog


Aufstiege: Hauptstadt, Königreich und eine Straße

1862 war Bukarests kurvenreicher Weg vom Dorf zur Hauptstadt abgeschlossen. Die zu diesem Zeitpunkt aktuellen Krisen in der Region dauerten jedoch an. Sie endeten erst mit dem Berliner Kongress und der Aushandlung einer neuen Friedensordnung für Südosteuropa. Währenddessen trieb man in București voran, was eine Stadt zur internationalen Metropole macht. 



Bereits vor dem Aufstieg zur Hauptstadt erhellte Bukarest seine Straßen mit Petroleumlampen und war damit die erste Stadt Rumäniens, die auf diese Innovation setzte. 1869 startete die erste Eisenbahn Richtung Giurgiu. Zur Erinnerung: Giurgiu pflegt eine Städtepartnerschaft über den Gartenzaun und war Ziel der offiziellen Einweihungsfahrt des so legendären wie luxuriösen Orient-Express. Nach Konstantinopel (heute: Istanbul) ging es erst einige Jahre später. Nachzulesen ist all dies im Blogbeitrag Oktober 2020. Nach der Eisenbahn ist vor der Straßenbahn, die zwei Jahre später folgte, damals noch von Pferden gezogen. Ein Jahr später eröffneten der Nordbahnhof und eine weitere Linie nach Ploiești (Blogbeitrag Januar 2021 zu den Kathedralen des Erdöls). Der Nordbahnhof (rumänisch: Gara București Nord, kurz: Gara de Nord) ist heute der Hauptbahnhof Bukarests und größter Bahnhof Rumäniens. Die Bahnhofskinder: Bukarest, Warschau, Sofia, St. Petersburg, Tirana lautet der Titel eines der Bücher Peter Dammanns (1950-2015), welches der für seine sozial engagierten Reportagen bekannte Fotograf 1992 publizierte. Wir werden ihm und ihnen später begegnen. Zurück im 19. Jahrhundert wurde Rumänien 1878 infolge des Berliner Kongresses, genauer der Unterzeichnung des Berliner Vertrages, als unabhängig anerkannt. So stieg das bisherige Fürstentum per Proklamation am 26. März 1881 zum Königreich Rumänien auf und folgte damit gewissermaßen seiner Hauptstadt im Gewinn an Status. Man begann die Kapitale zur imperialen Stadt zu gestalten und orientierte sich dabei westwärts, vor allem Richtung Frankreich und natürlich Paris. Hinsichtlich anstehender Modernisierungen ging der Blick nach Preußen, welches für Ideen im Bereich technischer Innovationen stand, und trieb die industrielle Entwicklung der Stadt voran. București wurde zu einem Zentrum der Leichtindustrie. Auch im Finanzsektor ging es zügig vorwärts: Fünf Großbanken machten die Stadt zum nationalen Finanzzentrum. Bald war die Zeit der Petroleumlampen vorbei, die Calea Victoriei wird seit 1890 elektrisch beleuchtet, 1896 löste die erste elektrische Straßenbahn die Pferdebahn ab. Die Calea Victoriei (deutsch: Siegesstraße), heute eine Hauptverkehrsstraße im historischen Zentrum, ist eine der ältesten Hauptstraßen Bucureștis. Ende des 17. Jahrhunderts lag sie als Calea Brașovului (deutsch: Kronstädter Straße) noch außerhalb der Stadt, später wurde sie mit anderen Straßen verbunden als Podul Mogoșoaiei zur neuen Hauptstraße Bukarests. An ihr entlang errichtete man Häuser für Adelige, Kirchen und Gasthöfe, später dann Hotels, Kaffeehäuser, Luxusgeschäfte und staatliche Institutionen. Mit dem Einmarsch der rumänischen Truppen, die am 08. Oktober 1878 den Sieg über die Türken feierten, erhielt sie ihren heutigen Namen als Siegesstraße. In der sozialistischen Ära griff man in die von unterschiedlichen Baustilen geprägte Ästhetik der Calea Victoriei nochmals gravierend ein, indem monumentale Bauten im von Staatsoberhaupt Nicolae Ceaușescu favorisierten Zuckerbäckerstil eingefügt wurden. 1980 fügte er dem Straßennamen den Sozialismus als Sieger hinzu.

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