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Rumänien-Blog


Kulturgenuss: Bukarests Theater

Bukarest (rumänisch: București) hat nicht nur kulinarische Genüsse zu bieten. Auch für den kulturellen Genuss sind zahlreiche Adressen in der Stadt zu finden. Laut Wikipedia gibt es in der Hauptstadt 19 Theater, eine Operette und eine Oper. Ob hierbei die Spielstätten der Offtheaterszene berücksichtigt wurden, bleibt leider offen. An erster Stelle benannt wird das Nationaltheater Bukarest (rumänisch: Teatrul Național Ion Luca Caragiale).

Das Bukarester Nationaltheater liegt am Rand des Lipscani-Viertels, gegenüber der Universität. Namensgeber ist der Schriftsteller Ion Luca Caragiale, der als bedeutendster Dramatiker Rumäniens gilt. Caragiale war nicht nur Autor und Theaterleiter, sondern arbeitete auch als Souffleur, Kopist, Korrektor, Zeitungsredakteur, Lehrer, Schulinspektor und Gastwirt. Standort des Theaters ist der Grund des ehemaligen Gasthauses Filaret, gebaut wurde von 1847 bis 1852. Als Mitbegründer des rumänischen Nationaltheaters führte Caragiale das Bukarester Haus von 1888 an, bis er 1904 nach Berlin auswanderte. Im Zweiten Weltkrieg zerstörte die deutsche Armee versehentlich das Theater, da sie das eigentliche Ziel, den angrenzenden Telefonpalast, verfehlte. Das aktuelle Theatergebäude wurde erst 1973 an anderer Stelle neu gebaut, 1983 architektonisch stark verändert und 2012 wieder in den Originalzustand der 1970er Jahre versetzt. Der einstige Standort blieb bis 1990 frei. Dort baute man ein Hotel der Kette Novotel und setzte diesem wiederum ein dem des zerstörten Theaters nachempfundenes Portal vor. Ein weiteres bedeutendes Schauspielhaus ist das Odeon-Theater (rumänisch: Teatrul Odeon) an der Calea Victoriei. Das Haus wurde 1911 erbaut und beherbergte das Komödientheater des rumänischen Nationaltheaters. Vorläufer des Odeon ist wiederum das 1946 gegründete Teatrul Muncitoresc CFR Giulești, das 1974 umzog. 1993 wurde das Teatrul Odeon als Rumänisches Theater des Jahres ausgezeichnet. Wirft man einen Blick auf den aktuellen Spielplan, so sind dort Inszenierungen der modernen Klassiker Cui i-e frica de Virginia Woolf? (deutsch: Wer hat Angst vor Virginia Woolf?) und Persona von Ingmar Bergman zu finden. 1947 wurde am Bulevardul General Gheorghe Magheru das Nottara-Theater (rumänisch: Teatrul Nottara) gegründet, zunächst jedoch unter dem Namen Armeetheater. 1960 erhielt es seinen jetzigen Namen nach dem rumänischen Bühnenschauspieler und Regisseur Constantin Nottara (1859–1935). Ende der 1940er Jahre erbaute man das Teatrul Bulandra, später benannt nach seiner ersten Direktorin, der Bühnenschauspielerin Lucia Sturdza-Bulandra. Im aktuellen Repertoire finden sich unter anderem Klassiker wie Antigona de Sofocle (Antigone von Sophokles), Azilul de noapte (Nachtasyl) von Maxim Gorki oder Omul cel bun din Seciuan (Der gute Mensch von Sezuan) von Bertolt Brecht sowie einige Stücke William Shakespeares. 1961 gründete der Schauspieler Radu Beligan im Lipscani-Viertel das Komödientheater (rumänisch: Teatrul de Comedie). Beligan war über 70 Jahre lang auf der Bühne, im Film, Fernsehen und Radio tätig. Im Dezember 2013 erhielt er den von Guinness World Records bestätigten Titel Der älteste aktive Theaterschauspieler der Welt. Er zählt zu den großen Namen des rumänischen Theaters mit komplexem Repertoire. Nach seiner Zeit als Leiter des Komödientheaters war er wiederum von 1969 bis 1990 Direktor des Nationaltheaters.

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