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Rumänien-Blog


Leipzig mittendrin: das Lipscani Viertel

Der Bulevardul Unirii (deutsch: Boulevard der Einheit) erstreckt sich als geradlinige Schneise vom Parlamentspalast bis zum gleichnamigen Platz im Zentrum Bukarests. Zahlreiche historische Gebäude wurden hierfür abgerissen (Blog Dezember 2021). Fast parallel dazu verläuft die Strada Lipscani in einer geschmeidigen Kurve, die eher dem Lauf des Flusses Dâmbovița folgt und das lebendige Viertel gleichen Namens durchzieht.

Glücklicherweise gelang es Nicolae Ceaușescu nicht, die historische Bausubstanz der Bukarester Altstadt vollständig zu eliminieren. Im zentralen Lipscani-Viertel blieb die traditionelle urbane Struktur größtenteils erhalten. Im Mittelalter war das Stadtviertel eine florierende Handelszone, seinen aktuellen Namen erhielt es im 18. Jahrhundert. Zahlreiche, hauptsächlich siebenbürgische Händler boten in ihren Läden Waren aus Leipzig (rumänisch: Lipsca) an, da sie ursprünglich von dort kamen. Darunter Goldschmiede, Hutmacher, Schuster, Färber und Sattler. Viele Zünfte (rumänisch: isnafuri) hatten ihre eigene Gasse. Einige der Straßen sind heute noch danach benannt, wie beispielsweise die Strada Șelari, die Sattlerstraße. Entstanden ist das Viertel bereits Mitte des 15. Jahrhunderts. Fürst und Feldherr Vlad III. Drăculea (Blog März 2015) ließ dort den Curtea Veche (deutsch: Alter Fürstenhof) als seinen Wohnsitz errichten. Heute sind dessen Ruinen museal zu betrachten. Die zugehörige Kirche Curtea Veche (rumänisch: Biserica Curtea Veche) ist das älteste erhaltene Bauwerk in Bukarest (rumänisch: București). So hieß die erste urkundlich erwähnte Gasse Bukarests zunächst Große Gasse beim alten Fürstenhof. Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Fürsten des Fürstentums Walachei (rumänisch: principatul Țării Românești) in der Kirche gesalbt. Das Gebäude wurde immer wieder beschädigt, durch Brände, Erdbeben und Kriege, oder von diversen Fürsten nach ihren jeweiligen Wünschen umgebaut. Mittels ernsthafter Restaurierung näherte man sich von 1928 bis 1938 dem anfänglichen Zustand an. Die Kirche ist 25 Meter lang und 8 Meter breit, ein historisches Kleinod im Vergleich zur pompösen Kathedrale der Erlösung des Rumänischen Volkes (Blog April 2022). Anfang des 21. Jahrhunderts machte man einen großen Teil des Lipscani zur Fußgängerzone. Gebäudelücken, die vor allem eine Folge des Erdbebens von 1977 waren, wurden durch moderne Bauten geschlossen, was heute durchaus kritisch gesehen wird. Zwischenzeitlich haben sich dort auch die üblichen weltumspannenden Unternehmen wie H&M oder Adidas mit ihren Filialen niedergelassen. In erster Linie gilt das Viertel heute jedoch als Zentrum des Nachtlebens für Touristen, darunter viele jüngere aus Westeuropa. Überfliegt man den Stadtteil auf Google Maps, spiegelt sich diese Entwicklung nicht nur in der mehr als üppigen Anzahl von Restaurants, Bars und Kneipen, sondern vor allem in deren Namen. Neben eher wenigen rumänischen Namen bzw. Restaurants, reihen sich – wie in vielen europäischen Städten – Pubs wie Beer and Beer Pub, Beer O'Clock oder Beer Station nachbarschaftlich aneinander. Vom Kilkenny Irish Pub über den Big Ben Pub geht es in den Oktoberfest Pub. Letzterer bietet laut Website Oktoberfest Craft Beer. Wer sich dem Mond näher fühlen möchte als dem Oktoberfest, geht ins Linea/Closer to the Moon in der Strada Lipscani, setzt sich auf der Dachterrasse in eine der transparenten Kapseln mit Wabenoptik und trinkt einen Lost in Space.

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